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Unwertes Leben?
Leserbrief Brigitte Pfandl vom 15. Apr 2019

Unwertes Leben?

"Er sagt mir, dass ich gut auftreten kann. Dass ich gut vortanzen kann. Gott ist stolz. Er ist sehr stolz!“  Berührende Worte aus dem Mund einer 21-jährigen jungen Frau mit Down-Syndrom, Mitglied der Breakdance-Gruppe des Vereins „Ich bin okay“, der heuer sein 40-jähriges Jubiläum feiert und mittlerweile eine feste Größe innerhalb der Wiener Tanzszene darstellt. Initiativen wie diese sollten staatlich (stärker) gefördert werden.

Am 21. März ist jährlich Welt Down Syndrom Tag. Das Datum ist gut gewählt. Bei diesen Menschen ist nämlich das 21. Chromosom nicht wie normalerweise zweifach, sondern dreifach vorhanden. Das bedingt ihr besonderes Aussehen und eingeschränkte geistige Fähigkeiten, die aber durchaus unterschiedlich sein können. So gibt es einzelne Personen, die sogar ein Universitätsstudium abgeschlossen haben und solche, die berufstätig sind. Jedenfalls sind es Menschen wie Sie und ich mit denselben Bedürfnissen und - Hand auf‘s Herz: Wer ist schon perfekt?

Down Syndrom Menschen sind allgemein herzlich, fröhlich und aufgeschlossen. Davon kann es in dieser unserer Welt ja gar nicht genug geben.

Tatsächlich kommen aber von jährlich 100 Babies mit Down-Syndrom nur 5 bis 10 zur Welt. Alle anderen werden abgetrieben, und das kann wie bei allen behinderten Kindern bis kurz vor der Geburt geschehen: Das Baby darf also bis zum Einsetzen der Wehen durch eine Giftspritze ins Herz getötet werden. Das ist unmenschlich und Diskriminierung – das ist aber auch ein Verfassungsbruch: Laut Artikel 7 BVG (1) sind alle Staatsbürger vor dem Gesetz gleich. Die UN Behindertenkonvention sagt dasselbe: Alle Menschen haben den gleichen Anspruch auf Schutz durch das Gesetz und gleiche Vorteile durch das Gesetz.

Worauf die Grünen im Jahr 2000 und Deutschlands Jungsozialisten erst vor wenigen Monaten allen Ernstes die Abtreibung bis zur Geburt für alle Kinder vorschlugen. International gibt es darüber hinaus Bestrebungen, Abtreibung „im Rahmen der sexuellen Gesundheit und Selbstbestimmung der Frau“ zu einem Menschenrecht zu machen.

Politiker aller Fraktionen betonen immer wieder: Behinderte Menschen sind ein Teil unserer Gesellschaft! Lippenbekenntnisse? Getan wird jedenfalls (noch) zu wenig, findet auch der Präs. des Kath. Familienverbandes, Dr. Alfred Trendl, und fordert viel mehr praktische und finanzielle Unterstützung für betroffene Kinder und Eltern, wie - um 2 Beispiele zu nennen - bei Bedarf Verlängerung der Kindergarten- und Schulzeit oder bessere pensionsrechtliche Anrechnung der Pflegearbeit. In dieselbe Kerbe schlägt Dr. Rudolf Gehring von der CPÖ, geht aber noch darüber hinaus und fordert wie die Parlament. Bürgerpetition „Fairändern“ ein Ende der Eugenischen Indikation: Eine Unterscheidung zwischen wertem und unwertem Leben sei ein Rückfall in finsterste Zeiten. Bis 12. April müssten Sie in Ihrem Gemeindeamt  eine Unterstützungserklärung abgeben, wenn Sie die Teilhabe der Christlichen Partei zur EU-Wahl und damit eine christlichen Stimme im Europäischen Parlament ermöglichen wollen.

Vor einigen Tagen empörte sich eine Anruferin, es könne doch nicht sein, dass wir 30 Jahre nach der Einführung der Fristenregelung noch immer darüber diskutieren müssten.

Doch, wir müssen. Es hat seither noch gar keine wirkliche, fundierte, öffentliche Auseinandersetzung um dieses Tabuthema gegeben!

„Gott ist stolz. Er ist sehr stolz!“

Wir müssen behinderte Menschen als einen wertvollen und wichtigen Teil unserer Gesellschaft behandeln. Damit Gott auch auf uns stolz sein kann!

 

Brigitte Pfandl                                                                                                     Katsch, am 18. 3. 2019

 

 

 

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