Home

 

GELD AUS DEM NICHTS
Artikel von Dr. Raimund Dietz vom 08. Jän 2018

Geld aus dem Nichts   (von Raimund Dietz)

Je luftiger das Geld, desto fester muss die Hand des Staates sein.

Früher war Geld an wertvolle Metalle gebunden. Sie zu fördern war teuer. Mit ihnen zu zahlen umständlich – besonders auf große Distanzen. Modernes Geld ist Symbolgeld. Man kann auch Zeichengeld dazu sagen. Es ist sehr luftig: Papiergeld kann man mit ein paar Cent herstellen, Buchgeld kostet gar nichts mehr. Während Papiergeld immerhin noch an die Physis des Papiers geknüpft ist und bei Übertragung über Distanzen Kosten verursacht, kann Buchgeld per Knopfdruck sehr sicher über große Distanzen verschickt werden. Die Digitalisierung erlaubt, Geld quasi in Lichtgeschwindigkeit und in beliebigen Mengen zu transferieren. Damit wird die Welt auf einen Punkt zusammengezogen. Alles ist gleichzeitig möglich.

Da die Erzeugung von Symbolgeld keine Kosten verursacht, kann es daher in beliebiger Menge erzeugt werden. Geld leistet allerdings seine Dienste nur dann, wenn es hinreichend knapp ist. Da symbolisches Geld von Natur her nicht mehr knapp ist, kann es nur funktionieren, wenn es künstlich knapp gehalten wird. Es muss also eine Instanz geben, die dafür zuständig ist. Es gibt gute Argumente dafür, die Verantwortung dafür einer unabhängigen Zentralbank zu übertragen.  

Aber die Angelegenheit hat auch noch einen Gerechtigkeitsaspekt. Wer sich etwas leisten will, muss etwas dafür leisten. So ist es in der Bürgergesellschaft. Geldschöpfung ist in der Wirtschaft die vielleicht einzige Ausnahme: sie ist ein paraökonomischer Akt. Wer aber – ohne Aufwand (!) – Zeichen- oder Symbolgeld schöpft, eignet sich Ressourcen oder Vermögenswerte an, mit denen er sich weitere Ressourcen oder Werte aneignen kann. Geldschöpfung in privater Hand verletzt daher den bürgerlichen Gleichheitsgrundsatz. Ganz und gar nicht geht es daher an, dass man Privaten gestattet, Geld in Eigenregie zu erzeugen.

Der Öffentlichkeit ist kaum bekannt, dass heute bereits mehr als 90 % der gesamten Geldmenge aus Buchgeld besteht, das von Geschäftsbanken durch Kreditvergabe oder durch den Ankauf von Vermögenswerten erzeugt wird. Sie müssen derzeit nur die dafür erforderliche Mindestreserve aufbringen. Eine Kreditvereinbarung mit einem Kunden oder der Kauf einer Staatsanleihe ist meist mit Geldschöpfung verbunden. Beides führt zu einer Bilanzverlängerung der Bank. Systemkonform wäre es, wenn die Bank nur Geld verleihen oder zum Kauf eines Vermögenswerts einsetzen könnte, welches sie vorher schon durch Eigenkapitaleinlage oder Geldleihe von anderen Wirtschaftsteilnehmern in ihren Besitz gebracht hat. Dann könnte das Bankensystem die Finanzmärkte nicht mehr mit selbst erzeugtem Geld beflügeln. Tatsächlich gehen heute rund 80 % der durch Kredite geschöpften Gelder in die Vermögensmärkte, verteuern dadurch Immobilien und Mieten, und heizen die Aktienwerte und Finanzspekulationen an. Die Folge: eine wechselseitige Überforderung und Überschuldung der Gesellschaft, die sich so nicht fortsetzen lässt.

Der ultimative Hype ereignet sich heute im Bereich der Kryptowährungen, insbesondere bei den Bitcoins, die am weitesten verbreitet sind. Neben Bitcoins gibt es noch mehr als 1000 weitere „Währungen“ dieser Art. Sie alle konkurrieren um Aufmerksamkeit. Der Anachronismus ist kaum zu überbieten: bestand der Fortschritt des Geldwesens darin, dass man Geld ohne weitere Kosten und damit ohne Energieaufwand und Belastung der Umwelt (bei Gold etwa durch Einsatz von Quecksilber) auf Knopfdruck erzeugen kann und im Prinzip der Gesellschaft schuldfrei zur Verfügung stellen könnte (was leider zur Zeit nicht der Fall ist), fällt die Krypto-Szene dadurch in alte Zeiten zurück, dass sie „Coins“ schürft (also „Mining“ betreibt), indem sie ungeheure Mengen an Energie verbraucht, um Rechenoperationen durchzuführen, mit denen sie die angebliche Verlässlichkeit ihrer privat geschürften und von Hand zu Hand bzw. von Handy zu Handy weitergereichten Coins sicherzustellen. Das alles könnte die Zentralbank mit einem Bruchteil an Rechenleistung und Energie leisten. Unter den heutigen technischen Bedingungen könnte sie alle unsere Konten führen. Unser Kontengeld wäre dann so sicher wie Bargeld. Heute ist Buchgeld dagegen nur ein Anspruch auf Bargeld. Die Bank muss liquide und solvent sein, um diesen Anspruch erfüllen zu können. Bei einer Insolvenz oder einem Bank-run ist unser Geld futsch. Um das zu verhindern, muss der Souverän (Finanzminister, Zentralbank) jede Großbank retten. Zentralbankgeld für alle wäre deshalb nicht nur für jeden anständigen Bürger von Vorteil, sondern auch für den Staat. Er müsste sich bei Banken nicht mehr verschulden, um sie bei anderer Gelegenheit zu retten. Der Staat könnte von der Zentralbank zinsfreies Geld in Höhe des Geldbedarfs der Wirtschaft erhalten und damit unsere Steuerlast wesentlich reduzieren. Das Budget wäre frei von Zinszahlungen. Die Staatschulden könnten weitgehend abgebaut werden.

Das private und Energie fressende Schürfen von „Coins“ ist reiner Anachronismus. Dennoch gilt vielen der Energieaufwand als Grund für die Werthaltigkeit dieser so erzeugten „Coins“, als ob die Kaufkraft des Geldes mit dem Aufwand, mit dem Geld hergestellt wird, irgendetwas zu tun hätte. Das 18. und vorhergehende Jahrhunderte lassen grüßen. Wenn schon „Coins“, dann müssten sie kostenlos hergestellt werden. Allerdings fielen den Herstellern dann die mit der Geldschöpfung entstehende Kaufkraft und spätere Kursgewinne zu. Wie würde eine noch übersichtliche Menschengemeinde ein solches Verhalten qualifizieren? Vermutlich als üble Trickserei. Unvorstellbar, dass ein solches Treiben geduldet würde. Nur weil die Übersichtlichkeit im globalen Wettbewerb fehlt, ändert das an der Natur der Sache nichts. Daraus folgt: „Krypto-Coining“ ist ein Angriff auf die Bürgergesellschaft, deren Geschäftsgrundlage seit jeher ein Tausch auf einigermaßen fairer Basis ist. Gewiss, die Fairness, insbesondere von Finanzoperationen, wurde immer wieder in grober Weise verletzt, das kann aber kein Grund sein, den Missbrauch zum Prinzip zu machen.

Es gibt durchaus Fälle, in denen die Blockchain-Technologie ein Segen ist. Flüchtlinge können ihre Habe gegen Coins umsetzen und sie unbehelligt in die Cloud einspeichern und an jedem beliebigen Ort von dort wieder abrufen. Die offiziellen Währungen bieten solche Möglichkeiten bisher nicht. Über den schwindeligen Charakter dieser „Währungen“ sollte man sich gleichwohl keine Illusionen machen.

Denn eine Währung ist nur eine Währung, wenn sie währt. Krypto-Währungen können nur bestehen, weil die offiziellen Währungen die nötige Referenz bieten. Keiner von uns kann mit einer Währung „leben“, die im Laufe nur eines Jahres auf das Zehnfache aufwertet oder extrem verliert. Währungen, die so stark aufwerteten, hat es nie noch nie gegeben, und wenn es sie gäbe, würden sie jeden, der sich in ihnen verschuldet hat, sofort ruinieren. Wer das Teufelszeug dagegen besitzt, lacht sich, solange es im Wert steigt, ins Fäustchen und kann es sich leisten, seine Gewinne in weitere Hypes zu stecken. „Währungen“, die extrem verlieren, stürzen Menschen schier in den Wahnsinn und zerstören ganze Gesellschaften. Wie auch immer: man kann sie nur dulden, solange sie keine Bedeutung haben, und man sich in diesem Zeug nicht verschulden oder keine Forderungen aufbauen kann. Solange das so ist, handelt es sich um keine Währungen.  

Problematisch sehe ich die Kryptowährungen vor allem deshalb an, weil sie die Aufmerksamkeit von unserem Geldsystem ablenken, etwa von der Frage, woher das Geld kommt. Wer sollte Symbolgeld erzeugen dürfen? Der Souverän. Dieser Grundsatz sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber leider nicht. Erstens wissen die wenigsten, woher die Masse an Zahlungsmitteln kommt. Und viele, die es wissen müssten, treten dafür ein, dass private Geschäftsbanken dazu berechtigt sein sollten. Jahrhundertelange Bankpropaganda hat sich offenbar bezahlt gemacht. Inzwischen ist das Faktische zur Norm geworden. Kein Politiker wagt heute noch, auf die Illegitimität der Geldschöpfung durch Privatbanken zu verweisen. Noch können sie sich mit Unwissen ausreden. In den meisten Lehrbüchern steht ja auch nichts von Geldschöpfung der Geschäftsbanken. Und die Zentralbanken? Sie sind zu Anhängseln der Geschäftsbanken geworden. Nur allmählich scheint auch ihnen zu dämmern, dass sie mit dem Verschwinden des Bargelds jeden geldpolitischen Hebel verlieren. 

Ist die Moral erst ruiniert, lebt es sich gänzlich ungeniert. Wenn die Banken Geld erzeugen dürfen, warum nicht auch ich? Oder du? Bilden nicht Regierungen, Finanzkapital und Großindustrie längst eine globale Megamaschine? Gegen eine solche, nun inzwischen globale „Macht“ positioniert sich die Krypto-Community mit der Behauptung, ein dezentrales, eben privates Geld zu erzeugen: jeder könne „Coins minen“; Privatgeld wäre dem Einfluss von Zentralen, insbesondere der jeweiligen Staaten, die seit jeher ihre Währungen manipuliert hätten, entzogen. Dass sich Spekulanten gerne für Vorkämpfer der Freiheit ausgeben, ist nachvollziehbar. Dass Gier Hirn frisst, ist auch eine alte Erfahrung. Erschreckend aber ist, dass die Öffentlichkeit so auf diesen Schwindel hereinfällt. Das weist auf die Schwäche der modernen Gesellschaft und ihre Anfälligkeit für allen möglichen Unfug hin. Die Schwäche beruht darauf, dass unter Freiheit immer nur die Freiheit des Einzelnen verstanden und Freiheit in Gegensatz zu einem funktionierenden Staatswesen und einem funktionierenden Ganzen gestellt wird. Die Liberalen, die lange für einen ordentlichen Staat gekämpft haben, entziehen sich mit dieser Ideologie den Boden unter den Füßen. Genauso, wie die Gleichberechtigung der Frau ohne staatlichen Schutz nicht möglich wurde, kann sich die Vergesellschaftung über Märkte nur im Rahmen eines ordentlichen Staates entfalten. Diese Lektion sollten wir nicht vergessen. Jetzt muss man sie auch auf das Geldwesen konsequent anwenden.

Autor: Dr. Raimund Dietz, Ökonom, Systemforscher, Geldphilosoph. Autor des Buches: Geld und Schuld – eine ökonomische Theorie der Gesellschaft, 5., überarbeitete Auflage, 2016, 438 S. €29,80.

                                                                       raimund.dietz@monetative.at

 

 

 

Wenn Sie uns zu diesem Beitrag eine Nachricht zukommen lassen wollen:

Ich möchte mich in der Mailingliste EINtragen      AUStragen      NICHT eintragen und nur Kontakt aufnehmen
* Anrede
* Vorname
* Nachname / Firmenbezeichnung
* Ihre Email
Ihre Tel.Nr.
* Straße, Nr.
* PLZ Ort
Land
Ich hätte eine Frage/Anregung:
  Ich bete regelmäßig für die CPÖ und ihre Mitarbeiter
Ich befürworte das Programm und die Ziele der CPÖ und will mithelfen, dass diese wichtigen Themen (Ehe und Familie, Erziehung und Bildung, Lebensschutz, Kultur, Gerechtigkeit und leistbares Wohnen) bekannt werden und ersuche um regelmäßige Zusendung von aktuellen Informationen.
Ich möchte die Arbeit der CPÖ durch meine Spende unterstützen Spenden
ich will die Kandidatur der CPÖ bei Wahlen unterstützen – Senden Sie mir dazu vor Wahlen die Unterstützungserklärungen zu
Ich will aktiv mitarbeiten ohne Mitglied zu werden – Dazu erhalte ich regelmäßige Informationen, Einladungen zu Veranstaltungen und die Gelegenheit ehrenamtlicher Tätigkeiten, um die Arbeit der CPÖ zu unterstützen. Darüber hinaus habe ich keine weiteren Verpflichtungen.
Ich will Mitglied werden – und beantrage gemäß § 5 der Statuten der CPÖ die Mitgliedschaft. Als Mitglied kann ich mich voll einbringen und den Kurs der Partei mitbestimmen, sowie kandidieren. [Mitgliedsantrag]
Ich stehe als Mitglied der CPÖ als Kandidat für Wahlen zur Verfügung – Bitte setzten Sie sich mit mir in Verbindung, um über die Details zu sprechen.
Um SPAM zu vermeiden, ersuchen wir um Lösung der folgenden Rechenaufgabe:
0+8
zlocha
(Bitte geben Sie das Ergebnis ein!)
 

 

Datenschutzgarantie:
Die CPÖ verpflichtet sich, Ihre Adresse nicht an dritte weiterzugeben. Die Adresse wird lediglich für die Zusendung von Informationen über CPÖ-Aktivitäten verwendet.

 

SPENDEN

CPÖ - Leben. Werte. Zukunft.
Unsere Hauptanliegen sind:
Lebensschutz
Ehe und Familie
Bildung und Kultur...


Da wir keine öffentlichen Gelder erhalten,
sind wir komplett
auf Ihre Spende angewiesen!

MITMACHEN LOHNT SICH