2017-10-06
ALLES IST MÖGLICH

„SAG NIE, DU KANNST ES NICHT“

Jennifer kam ohne Beine zur Welt. Heute ist sie World Class Akrobatin.

Es klingt absurd. Als kleines Mädchen erzählte Jennifer ihren Adoptiveltern, dass sie Akrobatin werden möchte, wenn sie mal groß ist. Ohne Beine wirkte das wie ein Ding der Unmöglichkeit. Ihre Eltern ermutigten sie aber und machten ihr klar: „Du bist von Gott geliebt. Mit seiner Hilfe wirst du alles schaffen!“ Heute bleibt vielen Leuten der Mund offen stehen, wenn sie sehen, wie sie als Luftakrobatin über den Köpfen der Zuseher schwebt.

Jennifer Bricker wurde als Kind zur Adoption freigegeben. Ihre Adoptiveltern, gläubige Menschen, brachten ihr immer wieder bei, dass ihre fehlenden Beine nicht das sind, was sie ausmacht. Sie haben ihr klargemacht, dass sie von Gott geliebt ist. Sie gaben ihr eine Lebensregel auf den Weg. Sie darf den Satz „Ich kann das nicht“ nicht verwenden. Ihre Eltern ließen sie ausprobieren, was möglich ist, denn sie waren zuversichtlich, dass Jennifer einen Weg finden wird, ihren Willen trotz fehlender Gliedmaßen durchzusetzen. Rollerskates wurden statt an die Füße an die Hände gebunden und das Trampolin liebte sie. Jennifer übte so lange, bis sie es schaffte einen Rückwärtssalto am Trampolin hinzulegen. Sie entschloss sich daraufhin trotz ihres Handicaps, Akrobatin zu werden.

DIE VERLORENE SCHWESTER

In der High-School trat Jennifer gegen Nichtbehinderte an und gewann in ihrem Staat Illinois die Meisterschaften im Tumbling, einer Sportart, in welcher der Athlet versucht, möglichst viele Überschläge in Folge zu machen. Ihr großes Vorbild war ein Mädchen namens Dominique Moceanu, die mit ihrem Team eine olympische Goldmedaille am Schwebebalken gewonnen hatte. Dominique faszinierte Jennifer einerseits deshalb, weil sie einander ähnlich sahen, andererseits aufgrund der großartigen Leistung der jungen Frau als olympische Akrobatin. Als sie 16 war, fragte Jennifer ihre Adoptiveltern zum ersten Mal nach ihrer Herkunft. Diese erzählten ihr, dass sie rumänische Wurzeln hatte und sahen auf den Adoptionsdokumenten, dass der Familienname ihrer Eltern Moceanu lautete. Jennifer realisierte sofort, dass das nur eines bedeuten konnte: Dominique Moceanu war ihre Schwester. „Wir sahen uns zwar ähnlich, aber es war trotzdem schwer zu begreifen. Das Mädchen, welches ich lange als mein Vorbild gesehen habe, war meine Schwester!", so Jennifer. Sie schrieb Dominique daraufhin einen Brief mit beigelegten Kopien der Adoptionsdokumente und Bildern von sich, um Dominique zu zeigen, dass sie existiert. Die beiden trafen sich, lernten sich kennen und beschlossen, die verlorene Zeit als Geschwister wieder nachzuholen. Jennifer sagt: „Es ist ein Geschenk meine leiblichen Schwestern jetzt zu kennen, aber es ist genauso ein Segen, bei meinen Adoptiveltern aufgewachsen zu sein."

KAMPF MIT DEM SCHÖNHEITSIDEAL

Für Jennifer war es nicht leicht, Auftritte zu bekommen. Keiner wollte sie einstellen, da die Veranstalter Angst davor hatten, wie das Publikum auf eine Akrobatin ohne Beine reagieren würde, ihr Turnpartner glaubte jedoch an sie und organisierte Touren für sie. 2009 wurden sie dann ins Team der Welt-Tournee von Britney Spears aufgenommen, was für Jennifer einen ziemlichen Durchbruch bedeutete. Durch die hohen Standards, die erfüllt sein mussten, um bei dieser Tournee dabeibleiben zu dürfen, begann Jennifer an sich selbst immer größere Anforderungen zu stellen. „Die Veranstalter hatten kein Problem damit, jemanden zu feuern. Wenn du zu dick bist, dann kommstdu einfach nicht mehr mit. Nach Ende der Tournee trug ich diese Gedanken leider immer noch mit mir herum, was letztendlich dazu führte, dass ich mich als hässlich betrachtete. Eine Freundin sprach mich irgendwann auf meinen drastischen Gewichtsverlust an, weshalb ich entschied, während der Fastenzeit meinen Spiegel mit Bildern zuzukleben, um mich nicht mehr auf mein Äußeres zu konzentrieren. Ich betete um Gottes Hilfe und begann Bibelstellen zu wiederholen, um mich zu ermutigen. Diese Phase war vor allem deshalb nicht einfach, weil mir die ganze Welt erzählen hätte können, wie schön ich bin – was für mich zählte, war, was ich dachte, und ich dachte, ich wäre nicht schlank genug. Mit der Zeit ging es mir besser, denn Gott half mir, meine Unsicherheit zu überwinden." Heute will sie mit ihrem Leben auch anderen Mut machen, sich für die Liebe Gottes zu öffnen, weshalb Jennifer auch bei Veranstaltungen als Motivationsrednerin spricht.

 

Text: David Strodl