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"Wenn du vergibst...."

WENN DU VERGIBST  - "You and I lets have a try"
 
von Doris Napetschnig und Lucia Letko

Ein netter Schulgarten in einer Wiener Schule. Um halb elf tummeln sich hier jeden Tag 50 Schüler, die in ihrem Bewegungsdrang nicht zu stoppen sind. Kleinere Zwischenfälle lassen sich nicht vermeiden, dann gibt es ein Pflaster und weiter geht es. Der kleine Junge allerdings, der jetzt zur Lehrerin rennt, ist völlig aufgelöst. Er weint so stark, dass er kaum Luft bekommt. „Sie lassen mich nicht mitspielen.", schluchzt er auf die Frage der Pädagogin hin, was los sei. Sie versucht ihn zu trösten und holt ein paar Schüler, um sie umzustimmen und den Kleinen mitspielen zu lassen. Aber sie lehnen ab, was den Buben in noch größere Weinkrämpfe und nicht enden wollende Mitleidstiraden stürzt: „Niemand mag mich, alle sind böse, ich will nicht mehr in diese Schule gehen, ich rede kein Wort mehr mit irgend-jemandem, sie hassen mich ..."
Was ist hier passiert?

„Ich werde am Du"
Von Anbeginn unseres Lebens begegnen wir Menschen: Mutter und Vater, Geschwistern und Großeltern; später Nachbarn, Mitschülern, Bekannten, Freunden bis hin zu Arbeitskollegen, Vorgesetzten und dem Ehepartner. Wir sind soziale Wesen, die ein Gegenüber brauchen, um die eigene Identität zu entwickeln und sie zu festigen. Martin Buber, der bekannte jüdische Religionsphilosoph (1878-1965),sagt: „Ich werde am Du; Ich werde am Du." Er spricht das grundlegende Bedürfnis jeder Person an, mit anderen in Kontakt zu treten, Beziehungen aufzubauen und an der Hand des anderen zu lernen und sich zu entfalten. Begegnungen prägen unser Leben auf besondere Weise, entweder positiv oder negativ.

Schmerzhafte Prägungen
Wo wir Ablehnung, Streit, körperliche oder seelische Gewalt, Kränkungen und Beleidigungen erfahren, passiert eine schmerzhafte Prägung; kurz gesagt, überall, wo unsere menschliche Würde nicht geachtet wird. Verletzungen lassen unsere Seele spüren, dass unserer Liebesfähigkeit und Sehnsucht nach Liebe widersprochen worden ist. Solche Momente können in uns verschiedene Emotionen und Gefühle auslösen: Ärger, Trauer, Zorn, Hass, Rachsucht, Missgunst, Kränkung, Verschlossenheit, Unfrieden, Selbstmitleid etc.   
Der Schmerz reicht aber viel tiefer als in die Gefühlsebene, er berührt den Kern des Menschen, seine Person und Würde, wie wir es im obigen Beispiel gesehen haben: Im Weinen des Schülers ist die Intensität des Schmerzes ersichtlich, den er durch die Ablehnung erlitten hat. Wo ist der Ausweg?

Schlüsselwort „Vergebung"
Die richtige Antwort ist: Vergebung. Sie ist aber so zu schnell gegeben, denn um vergeben zu können, braucht es ein tieferes Verständnis dafür, was dabei eigentlich geschieht und warum es sinnvoll ist zu vergeben:
Erstens ist die zugefügte Verletzung ein Mangel an Liebe, Respekt, Wertschätzung, Interesse, Zuwendung etc., im weiteren Sinne ein Mangel an Existenz und Leben. Das Gegenteil von Leben und Existenz ist die Nicht Existenz, das Nichts. Man kann es auch das „Böse" nennen, die Summe aller Mängel. Böses - in Gedanken, Worten und im Tun - verursacht immer einen Schmerz. Das Böse hat keine Macht und Kraft in sich, vielmehr gebraucht jemand, der Böses tut, seine Existenz, um zu zerstören. So hat jede Art von Bösem die Tendenz, alles ins Nichts zu reißen, zu zerstören und zu zerstreuen.

Hinwendung zum Guten
Fixiere ich mich nun auf das Böse, die Verletzung, lasse ich mich in die Zerstörung und in die Zerstreuung reißen. Daher ist der erste essentielle Schritt, mich zum Guten, zur Güte, zur Schönheit hinzuwenden, zu dem, was mir wieder Raum und Weite verschafft, mich atmen und „Mensch" sein lässt. Das Wesen des Menschen ist, dass er nicht nur Materie ist, sondern von seiner geistigen Dimension bestimmt sein sollte. „Der Geist ist die Sehnsucht nach Liebe, Sinn, Güte, Vergebung, Wahrheit, nach einer ganzheitlichen Vision des Lebens und nach Schönheit. Der Geist ist das Ganze und in
ihm gibt es keine Teile. Er ist nur gut, er ist Sein, er ist Leben." (vgl. Prof.Tomislav Ivancic, 3. Internationales Sommerstudium Zagreb, 2011).

In jeder Verletzung wird der Mensch im Tiefsten also doch die Sehnsucht verspüren, dass alles wieder gut wird, so auch unser Schüler: Er wünscht sich Gemeinschaft mit den anderen, weiß aber nicht, wie das möglich sein soll.
Wir brauchen oft die Hilfe von außen, wie auch der Schüler, der auf die Hilfe seiner Lehrerin angewiesen ist: Diese richtet seinen Blick auf das Gute, das es immer gibt und das stärker ist als alles Böse. Sie nimmt ihn beiseite und beginnt ihm aufzuzählen, wie viele Menschen ihn lieben: seine Eltern, seine Geschwister, Großeltern... sie verweist auf alle anderen Lehrer, die bemüht sind, dass es ihm gut geht und schließlich sagt sie ihm: „Schau mal, diese schöne Schule, in die du
gehen darfst! Es gibt so viel Gutes in ihr, es umgibt dich wie einen Fisch das Wasser, du bist geborgen."

Öffnung hin zur „absoluten Liebe"
Schließlich verweist alles Gute auf die Quelle alles Guten, auf den Schöpfer allen Seins, der Quelle des Lebens. Ich darf mir bewusst machen: Ich bin gewollt, geliebt, beim Namen gerufen. Jemand, der über allen Menschen steht, der Schöpfer der Welt und mein Schöpfer, sieht mich anders. In seinen Augen bin ich kostbar und wertvoll. Er kommt nicht auf den Gedanken, mich zu verletzen. Im Gegenteil, er ist mein Schutz, wenn ich attackiert werde. Bei ihm bin ich immer sicher.

Vergebung, ein Gewinn
Erst jetzt, im Blick auf das Gute, kann ich mich der konkreten Vergebung zuwenden. Vergebung klingt auf den ersten Blick paradox, denn werde ich verletzt, bin ich das Opfer und eigentlich müsste der Täter den ersten Schritt auf mich hin tun und mich um Vergebung bitten. Aber wie wir oben gesehen haben, ist derjenige, der verletzt, selber schwach, unfähig zu lieben, herausgeworfen aus dem Sein, gefangen im Negativen. Er hat mich verletzt, er „stirbt" geistig. Wenn ich nicht vergebe, sterben wir beide. Vergebung heißt, wieder zum Leben kommen.
Jesus von Nazareth hat diesen Zusammenhang sehr klar gesehen, wenn er uns sagt: „Wer sein Leben zu bewahren sucht, wird es verlieren; wer es dagegen verliert, wird es gewinnen..." (Lk 17, 33) Seinen Stolz zu überwinden ist ein Stück weit „Leben verlieren", aber darin liegt auf der geistigen Ebene der ganze Gewinn: meine Freiheit und mein Leben!

Bin ich fehlerlos?
Und noch ein Aspekt ist wichtig: Auch ich mache Fehler und wie froh bin ich, wenn mir vergeben wird, wenn mir jemand keine Vorwürfe mehr macht und nicht ewig auf Dingen herum hackt, die ich falsch gemacht habe, mit mir wieder redet... Wie schön ist es, wenn mir eine Schuld erlassen wird!
Wenn ich aus dem „Kerker" entlassen werde und meine Schuld nicht absitzen muss. So will ich es auch machen ...

Gerechtigkeit dem Schöpfer überlassen
Dabei verniedliche ich die Schuld nicht, sondern ich darf mir bewusst machen: Derjenige, der mich verletzt hat und ich sind auf Augenhöhe, wir sind beide geliebte Kinder des gleichen „Vaters allen Seins". Ich überlasse diesem die „Gerechtigkeit", die Beurteilung der Situation. Er ist viel barmherziger als ich und vor allem kennt er den anderen viel besser als ich, ist er doch sein Geschöpf, sein „Kind".
 
Konkrete Vergebung in vier Schritten
Nach all diesen Überlegungen und Einsichten liegt es an meiner Entscheidung zur bewussten Vergebung. Die Vergebung liegt in meiner Hand. So ist die Vergebung zuerst eine Willensentscheidung. Wie geschieht dies aber konkret? Sicher nicht, indem ich gleich zur Person hingehe und sage: "Es ist alles okay!" Eine bloße Formalität hilft da nicht.
 
1. „Ich vergebe dir!"
Es geht um eine ehrliche Vergebung in der Tiefe, um eine Vergebung im Geiste. Mit meinem Geist berühre ich den Geist des anderen, denn mit dem Geist stehen wir in Verbindung mit dem ganzen Sein und allen Menschen. Wollen wir diese Verbindung wahrnehmen, braucht es zuerst Sammlung. In der Zerstreutheit kann der Mensch nichts tun. In dieser Sammlung sage ich im Geiste dem anderen: "Ich vergebe dir, dass du ..." So kommt die Vergebung an, so erreichen wir den anderen. Mit einer solchen Vergebung tritt man in jeder Hinsicht in die Freiheit.

2.„Vergib auch mir!"
Langsam wird man den anderen in einem anderen Licht sehen und auch die eigenen Fehler erkennen und im Geiste zu ihm sagen: "Vergib auch du mir, dass ich beleidigt war, dich verurteilt habe, dich beneidet habe, dir gegrollt und Schlechtes gewünscht habe, dich nicht verstanden habe ...."

3.„Schön, dass es dich gibt!"
Wichtig ist, dabei, nicht auf die Wunde zu schauen, sondern auf die andere Person und das Gute in ihr.
Ich darf gerade für diesen Menschen danken. Ihm im Geiste ehrlich sagen:
"Schön, dass es dich gibt!" Wenn mein Schöpfer diesen Menschen in mein Leben geschickt hat, dann hatte es einen Grund. Er will mich und auch ihn dadurch verändern.

4.„Es wird alles gut!"
Habe ich ehrlichen Herzens vergeben, eröffne ich dem anderen einen Raum, in dem Kommunikation wieder möglich wird; ich schaffe eine Atmosphäre des Angenommen seins, des Wohlwollens. Mit Sicherheit wird der andere das auch tatsächlich wahrnehmen, wie es im Schulbeispiel passiert ist: Das Kind, das den Jungen am meisten verletzt hatte, kam und bat um Verzeihung, von sich aus!
Es ist kein einfacher Weg und man braucht Zeit und Geduld, bis die Veränderung tatsächlich eintritt. Aber wie ein Same, der in gute Erde fällt, mit Sicherheit zu wachsen beginnen wird, so ist es auch bei der Vergebung:
Sie eröffnet einen Weg, wie Vertrauen repariert und Beziehungen dauerhaft glücklich erlebt werden können. Die Sehnsucht nach Beziehung zu anderen, nach Angenommen sein und Liebe ist tief in unser Herz eingeschrieben. Wir dürfen dieser großen „Vision" für unser Leben trauen und das tun, was in unseren Händen liegt, denn mit Martin Buber erkennen wir: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung".

 

 

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