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Entsetzt Euch!
ein Bericht von Birgit Kelle vom 27. Mär 2017

Entsetzt euch!
(Erschienen am 14.02.2017 WELT, Birgit Kelle)

Wer aus Gewissensgründen den Dienst an der Waffe  verweigert, weil es einen Menschen töten könnte, darf sich in unserem Land auf der Seite der moralisch Anständigen einreihen.  Wer hingegen aus Gewissensgründen den Dienst am Skalpell verweigert, um nicht ein Kind im Mutterleib zu töten, riskiert seinen Job.

Die christliche Überzeugung eines Oberarztes an  einer Klinik im niedersächsischen Dannenberg bringt gerade die erfolgreich stummgeschaltete Debatte um das Drama der Abtreibung an die Oberfläche. Dieser Arzt hat offenbar etwas ganz Unerhörtes getan: Er hält sich an seinen hippokratischen Eid, wonach er Leben nicht töten, sondern erhalten soll. Das sagt ihm analog auch sein christlicher Glaube. Weswegen er angeordnet hatte, auf seiner Station solle es fortan keine Abtreibungen mehr geben. Der Klinikchef stütze ihn mit dieser Position, jetzt sind die Betreiber der Klinik nach öffentlichem Druck eingeknickt. Der Arzt wird die Klinik verlassen, der Klinikchef ist freigestellt. 

Entsetzen hatte sich breit gemacht. Nein, nicht wegen der über 100.000 Kinder, die jedes Jahr in Deutschland zwar schon im Bauch ihrer Mütter unterwegs sind, dann aber niemals das Licht der Welt erblicken.  Sondern weil die Gewöhnung an diese entsetzliche Zahl gefährdet schien. Man weiß nicht, wie viele Abtreibungen durch die Entscheidung dieses einen Arztes für diese eine Station an dieser einen Klinik verhindert worden wären. Es können nicht viele sein. Vergangenes Jahr fanden dort genau 31 statt. Es ist eine Prinzipienfrage. Man darf ihn damit nicht durchkommen lassen. Es könnte ja Schule machen. 

Möglicherweise hatte man bei der Abtreibungslobby auch einen panischen Blick Richtung Trump-Land riskiert, wo der neue US-Präsident als eine seiner ersten Amtshandlungen die staatlichen Gelder für all diejenigen Organisationen gestrichen hat, die weltweit Abtreibungen durchführen.  Das hat nicht nur in den USA sondern auch in Europa Schrecken ausgelöst. Der Backlash droht. Gerade arbeitet man auf EU-Ebene daran, Ersatzgelder locker zu machen, um das amerikanische Sterbegeld auszugleichen. Dänemark hat schon 10 Millionen zugesagt. Keine Frage, dass der stete Strom der Abtreibungen abreißen könnte, muss offenbar rigoros verhindert werden.

Entsetzt war selbstverständlich auch Niedersachsens Gesundheitsministerin, die gleich laut darüber nachdachte, ob man der Klinik nicht besser zukünftig staatliche Subventionsgelder streichen sollte, denn zu den „Qualitätskriterien“ einer Klinik gehört auch, dass diese für ihre Kundinnen den Service einer  vorgeburtlichen Kindstötung bereit stellt.  Qualitätskriterien.

Es ist eine Störung im System, wenn jemand den tödlichen Kreislauf durchbricht und sei es nur verbal. „Eine längst überwundene Diskussion vergangener Jahrzehnte“ nannte es der zuständige Landrat, auch einer der Entsetzten.  Das „Selbstbestimmungsrecht der Frau“ wird von allen bemüht. Mein Bauch gehört mir, ProChoice, ein Frauenrecht!  Wir haben uns an das Wording gewöhnt, das die völlige Legalisierung und Durchführung von Abtreibungen weltweit tatsächlich als Menschenrecht proklamiert.  So Manchem scheint deswegen nicht mehr geläufig, dass es gar keine kassenärztliche, medizinische Dienstleistung ist, wie eine Grippeimpfung. Es ist, was es ist: Die vorsätzliche Vernichtung menschlichen Lebens.

Für diese Definition braucht es übrigens weder einen Berufskodex, für diejenigen, die einwenden mögen, sie seien ja schließlich keine Ärzte. Und es braucht auch keine religiösen Regeln, denen sich Atheisten ja nicht unterwerfen müssten. Es steht schlicht allgemeingültig im Gesetz. Wer menschliches Leben tötet, macht sich strafbar. Wer zulässt oder gar mithilft, dass Andere menschliches Leben töten, macht sich auch strafbar. Und deswegen ist es ja konsequent, wenn Abtreibung – also die Tötung eines Kindes im Mutterleib – bis heute ein Straftatbestand unter §218 darstellt. 

Doch während man den Grundsatz „Du sollst nicht töten“ auf Partys engagiert vertreten kann, während man an einer veganen Soja-Latte nippt und solange es gilt, das Schreddern von Hühnerküken  zu verhindern. Doch es führt zu Empörung im Land, wenn man den gleichen Grundsatz auf ungeborene Kinder anwendet, die leider zur falschen Zeit im falschen Bauch liegen.

Denn wir sind doch ein Land, das vorgibt, man wolle mehr Kinder und man sei bemüht, kinderfreundlich zu agieren.  Fordern wir nicht sogar parteiübergreifend Kinderrechte ins Grundgesetz? Freilich reden wir aber nur von den Rechten bereits geborener Kinder. Nicht aber von ihrem Recht, geboren zu werden. Die Willkommenskultur für potentielle Neubürger funktioniert für Kinder die aus Booten und Zügen steigen, aber nicht für jene, die noch im Mutterbauch schlummern.  

Bei diesen sind wir bereit, wegzusehen und leisten uns ethische Paradoxien die nur noch mit Zynismus zu ertragen sind: Wir begehen alljährlich den Down-Syndrom-Tag, finanzieren aber mit staatlichem Geld gleichzeitig die Forschung, um diesen Gendefekt vorgeburtlich finden zu können, um die Geburt der Kinder zu verhindern. Wir haben die Abtreibung behinderter Kinder derart salonfähig werden lassen, dass man sich bereits erklären muss, wenn man das, was doch zu verhindern gewesen wäre, zulässt, betreiben aber eifrig Inklusion an den Schulen. Wir formulieren Abtreibung als Straftatbestand, finanzieren denselben aber straffrei über die Kassenbeiträge als qualitativ hochwertige Dienstleistung. 

Es ist keine Errungenschaft der Zivilisation, dass wir das Töten von Kindern professionalisiert haben und keine Errungenschaft für die Mütter, dass sie das perfide „Recht“ bekommen haben, ihre eigenen Kinder töten zu dürfen.  Mehr noch, inzwischen dürfen wir international schon für andere gebären und unsere Kinder verkaufen. Man nennt das niedlich Leihmutterschaft, es ist modern vor allem in prominenten Kreisen.  Versuchen sie das gleiche mal mit einer Niere. Das geht natürlich nicht. Das wäre ja Organhandel.

„Jede neu erreichte Macht von Menschen über die Natur ist auch immer eine Macht über Menschen. Jeder Fortschritt macht manche stark und andere schwach“ formuliert es C.S. Lewis in seiner „Abschaffung des Menschen“. Der Triumphwagen des medizinischen Fortschritts schleppt eben auch Gefangene hinter sich her: Frauen und Kinder.  Der internationale Exportschlager Abtreibung schlägt ausgerechnet auf diejenigen zurück, die ihn am lautesten eingefordert haben: Die Frauen.  Wir haben die Abtreibung in die Welt getragen und jetzt werden weltweit vor allem Mädchen abgetrieben. Der Feminismus frisst seine Töchter und alle schauen verschämt weg. Allein in Indien und China reden wir von zusammen 160 Millionen Mädchen, die fehlen. Bei Wikipedia hat es diese Tragik inzwischen zu einem eigenen Genre gebracht: man spricht von Femizid.


Bei uns agiert eine ganze Gesellschaft verlogen, denn inzwischen sind die meisten von uns Betroffene. Eine jahrzehntelange Abtreibungspraxis, die den Ausnahmefall zur Regel machte, ging nicht spurlos vorbei. Kaum jemand, der nicht ein Frau, eine Mutter, eine Tochter, eine Freundin oder eine Kollegin kennt, die es hat „wegmachen lassen“. Gerne redet Keine darüber. Nicht, weil die Gesellschaft sie ächten würde, sondern weil es Gedanken freisetzt, die man selbst gerne ungedacht lässt. Weil die Schuldfrage  zwar gesetzlich erfolgreich genommen wurde, persönliche Erlösung aber leider nicht staatlich zugeteilt werden kann.  Wie würde mein Kind heute aussehen? Wie viele Beziehungen mögen gescheitert sein, an der bitteren und nie ausgesprochenen Erkenntnis: Er hat mich nicht davon abgehalten. Im Gegenteil.  Wie viele Kinder mehr hätten wir wohl in unserem Land, wenn die erste Reaktion von Männern, Freundinnen und Familie nicht so oft wäre: „Oh mein Gott“ - sondern „Oh wie schön“. Oft fehlt nur ein einziger Mensch, der den erlösenden Satz sagt: Bekomm dein Kind. Stattdessen ist es nicht selten um Himmels Willen der falsche Zeitpunkt, der falsche Mann, das unperfekte Kind. 

Die Erschütterung des Schmerzes, den viele Frauen auch noch Jahre danach fühlen, sollte eine Warnung sein. Tatsächlich  darf eine Frau in Deutschland zwar öffentlich ihre Mutterschaft beweinen, dafür haben wir inzwischen mit #regrettingmotherhood gar einen weltweiten Hashtag. Aber wehe dir Frau, du bereust, das Kind nicht bekommen zu haben.  Dann ist die Frauensolidarität wieder mal ganz am Ende.

„Bin ich ein Wunschkind“ fragte mich einst dieses Mädchen, das damals völlig ungeplant vor 18 Jahren in mein Leben brach und damit mich und alles ins Wanken brachte, was auf meinem Plan gestanden hatte.  Sie wollte so gerne gewünscht sein. Wie beim Christkind auf dem Zettel bestellt und dann geliefert, um Freude zu verbreiten. Ihre beste Freundin hatte sich als Wunschkind gebrüstet, nun wollte sie auch eines sein. Drei weitere Geschwisterohrenpaare hörten schlagartig auf zu essen und dafür am Esstisch aufmerksam zu.  Und es war spontan wieder da, das Gefühlschaos von damals, ich weiß noch heute, wie ich damals heulte. Keine Frau lässt so eine Nachricht kalt. „War ich eigentlich ein Wunschkind?“ Vier Kinder, die wir angenommen hatten, wie sie kamen, wollten eine Antwort. Muss man sich ein Kind vorher erst explizit wünschen, um es anschließend grenzenlos zu lieben?  Und so antwortete ich ehrlich, wie es war:  „Nein. Wir  haben Euch nicht vorher geplant und ihr ward nicht auf Wunsch bestellt. Aber wir haben uns trotzdem über jeden Einzelnen von Euch gefreut.“ Und vielleicht, ist das inzwischen mehr wert.

 

 

 

 

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